Impuls II: Der Geist ist am Wirken

 Pfingstpredigt 2020, Br. Georg Greimel

Das Hohe Pfingstfest weitet unseren verengten Blick: „Der Geist des Herrn erfüllt das All“: Bei der Schöpfung Gottes schwebte er über den Wassern, durch die Propheten hat er gesprochen, er erfüllte den Sohn Gottes und war ihm Antrieb bei seinem Erlösungswerk, das Wirken der jungen Kirche hat er geführt – und auch heute dürfen wir ihn am Werk wissen.

Diese Wirkungen sind von größter Bedeutung, denn ohne sein „lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund“. So drückt es die Pfingstsequenz vom Wirken des Heiligen Geistes aus (GL 344,6).

Die Urgemeinde der Christen hatte sich zusammengetan und gebetet; die ersten Christen wussten nicht, wann was geschehen wird. Am 50. Tag nach dem Pessachfest geschieht es. Pentecoste, ein Erntefest, wird zu unserem Pfingsten.

Der Heilige Geist kommt wie ein Sturm in das Haus zu den Anhängern Jesu. Der Geist erfüllt das ganze Haus und jeden einzelnen. Alle werden vom Heiligen Geist erfüllt. Und sie reden in verschiedenen Sprachen.

Das Ganze ergibt ein solches Getöse, dass viele Leute herbeirennen und ganz bestürzt sind über das, was da vor sich geht. Es ist der von Jesu Geist bestätigte Beginn der Ausbreitung der christlichen Gemeinde, die Geisteskraft, die so viel verändern kann.

Der Heilige Geist war immer Antrieb für das Erlösungswerk Jesu Christi, am Anfang der Kirche und immer wieder im Lauf der Kirchengeschichte. Im 20. Jh. war das Pfingstfest das erklärte Lieblingsfest von Papst Johannes XXIII., einer der beliebtesten Päpste des Jh.s. Er hat damit die Hoffnung verbunden auf heilsame Erneuerung der Kirche. Bei der Ankündigung des II. Vatikanischen Konzils war er angetrieben von der Kraft des Heiligen Geistes.

Die Pfingstsequenz drückt aus, was der Heilige Geist schafft.

„Komm herab, o Heil`ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. … Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis in der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.“

Der Heilige Geist ist am Wirken, manchmal ganz leise, manchmal deutlich spürbar oder sichtbar. Das zeigt eine wahre Begebenheit aus den 60er Jahren:

Der Geist weht, wo er will: „Innehalten im Herzen der Stadt“

Im Moskauer Staatstheater sollte die Premiere des antireligiösen Stückes „Christus im Frack“ stattfinden. Danach sollte das Stück von Schulen, Jugendorganisationen und Jungarbeitern in ihre Kulturprogramme aufgenommen werden. Für die Hauptrolle des Christus war der berühmte Schauspieler Alexander Rostowzew vorgesehen. Kein Wunder, dass das Theater bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Nun beginnt das Stück. Auf der Bühne steht ein sogenannter „Altar“ – voller Schnaps- und Bierflaschen. Darum herum bewegen sich betrunkene und grölende Priester, Nonnen und Mönche wie um die Theke einer Bar, ahmen das Gebet der Litanei nach. Zu Beginn des zweiten Aktes betritt Rostowzew die Bühne. In seinen Händen hält er die Heilige Schrift. Laut Regieanweisung hat er über die Bibel Witze und Späße zu machen und soll die Zuschauer zu Lachstürmen hinreißen. „Alles über die Dummheit“ von Religion und Glaube soll er hineinpacken. Nach dem Vorlesen der ersten beiden Verse aus der Bergpredigt soll der Schauspieler in den Ruf ausbrechen: „Reicht mir Frack und Zylinder!“

Rostowzew beginnt und liest: „Freuen dürfen sich alle, die sich arm fühlen vor Gott; denn Gott liebt sie und öffnet ihnen die Tür zu seinem Reich. Freuen dürfen sich alle, die trauern; denn Gott wird sie trösten.“

Der Regisseur hinter den Kulissen schmunzelt in sich hinein. In wenigen Augenblicken wird das Publikum in Lachen ausbrechen. Aber das geschieht nicht! Rostowzew liest weiter: „Freuen dürfen sich alle, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.“

Das Publikum rührt sich nicht. Die Leute spüren, dass in dem Schauspieler etwas vorgeht. Alle halten den Atem an. Dann, nach kurzer Unterbrechung, liest er weiter, mit einem anderen Klang in seiner Stimme. Totenstille … Der Staatsschauspieler tritt mit der Heiligen Schrift an die Rampe, schaut wie gebannt in das Buch und liest … und liest … - alle 48 Verse des 5. Kapitels des Matthäus-Evangeliums.

Niemand unterbricht ihn. Sie lauschen, als stünde Jesus selber vor ihnen. Dann kommt es leise von seinen Lippen: „Ihr sollt also vollkommen sein, weil auch euer Vater im Himmel vollkommen ist.“

Rostowzew schließt das Buch. Es sieht so aus, als tue er etwas Endgültiges für sein Leben. Er macht ein Kreuzzeichen und spricht laut und vernehmbar die Worte, die der mitgekreuzigte Verurteilte zu Jesus sagt: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“

Niemand schreit oder pfeift oder protestiert. Stumm verlassen alle das Theater. Es ist wie nach einem Gewitter: Der Blitz hat eingeschlagen und alle getroffen. Ein Funke ist übergesprungen und hat gezündet.

Das vorbereitete Stück kam nie zur Aufführung; und der Schauspieler Rostowzew wurde nach jenem Abend auf keiner Bühne mehr gesehen … *

*Dieser Vorfall mit dem berühmten Schauspieler ist als ein auf seine Glaubwürdigkeit geprüfter Tatsachenbericht eines Augenzeugen aus Moskau erstmals in der Zeitschrift „Arizona News“ erschienen und wurde am 17. Juli 1963 in der Kreiszeitung der Grafschaft Hoya Nr. 163 abgedruckt und fand danach Eingang in vielen religiösen Schriften (Internet).

Internet: Artikel von Werner Schiebeler erschienen in der Zeitschrift „Wegbegleiter“ Nr. 1/2004. S. 28+29

Ist dieser Vorfall nicht eine pfingstliche Geschichte: Der Blitz des Geistes Gottes hatte einen Menschen getroffen! Der Schauspieler spürte völlig unerwartet die unvergleichliche Kraft des Evangeliums. Und dann sind alle Zuschauer davon erfasst. Die Worte Jesu sind Geist und Leben! Nicht toter Buchstabe! Geist und Leben, wie Saatkörner, die auch nach 2000 Jahren aufgehen – auch dort, wo es niemand vermutet. Geist, der weht, wo er will. Der Glaube stirbt nicht; die Worte Jesu tun ihre Wirkung; die Kirche lebt und immer wieder siegt die Wahrheit – das ist das Werk des Heiligen Geistes.

Viele fragen sich, was wird sich durch die Corona-Pandemie und nach ihr auf der Welt zum Guten, zum Besseren ändern? Ein Wallfahrer sagte zu mir: „Wir haben doch immer gesagt, so geht es nicht weiter. Jetzt haben wir`s!“

Wie geht es mit der Kirche weiter? Es gibt die Befürchtung, dass Menschen noch bequemer werden, z.B. durch den Live-Stream. Die Übertragungen von Gottesdiensten ist für Menschen, die selten in die Kirche gehen, und vor allem für ältere Leute hilfreich, aber die junge Kirche soll nicht in den Sofas und Kanapees versinken.

Ein Pilgerleiter sagte mir, er vermute, dass nächstes Jahr weniger Wallfahrer kommen, wenn`s 2020 unmöglich war, dann geht`s 2021 auch ohne. – Wer weiß. Dann kommt es auf die Begeisterungsfähigkeit der Pilgerleiter und derer an, die 2020 gewallfahrtet sind. Sie können von ihrer besonderen Wallfahrt Beeindruckendes erzählen.

Viele haben Angst um den guten Lebensstandard durch die Rezession der Wirtschaft oder eine mögliche Inflation. Lebensqualität zu erhalten braucht auch Anstrengung oder auch einen gewissen Verzicht. Auch das religiöse Leben geht nicht von selber. Der Geist weht zwar, wo er will – wir können es nur ahnen, er bricht sich seine Bahnen, aber meistens erfahren wir nichts oder sehr wenig darüber, aber wenn doch, bei einem Menschen oder am eigenen Leib, dann ist es oft eine wunderbare, zu tiefst erfüllende Erfahrung – und das Leben ist lebenswert.

Darum dürfen wir nicht ständig auf das Schlimme und Böse starren und darauf herumreiten, sondern wir brauchen Gott-Vertrauen und den Geist, die Dinge recht zu unterscheiden.

Das Pfingstfest und der Pfingstgeist könnten eigentlich die Kirche und unser christliches Leben wieder in eine bessere Form bringen, in eine Re-Form, indem der Geist wie ein Sturm durch unsere Gemeinden und Familien fegt und erwärmt, was erkaltet ist, gesund werden lässt, was krank geworden ist, reinigt, was befleckt ist und wässert, was geistlich zu vertrocknen droht.

Erbitten wir diesen Heiligen Geist, damit wir tun können, was richtig ist. Mag uns der Hl. Geist immer neu dazu stärken.

Verlassen wir uns auf die gestalterische Kraft des Heiligen Geistes. Und vertrauen wir auch auf den fürbittenden Beistand der Muttergottes. –

Segensbitte für das neue Jahr

Lege deinen Segen auf mich.
Weck die Kraft in mir, die schläft.
Weck den Schrei in mir, der erstickt ist.
Weck das Lachen in mir, das blockiert ist.
Weck das Leben in mir, das in verschlossenen Koffern wartet.
Lass mich auf den leeren Blättern dieses Jahres dein Text sein.
Lass mich auf den unbegangenen Wegen deine Spur sein.
Lass mich an den Haltestellen der Aussichtslosigkeit,
in den Wartezimmern der Angst,
in den Vorstädten der Hoffnungslosigkeit
Ort deiner Hoffnung sein.
Sei vor allem mit unseren Kindern,
den Sternen der Zukunft,
dass sie selbstbewusst und hoffnungsstark
dem Morgen entgegenblicken und Kraft haben,
freimütig für das Leben einzutreten.
nach Hildegard Nies