Impuls 1: Der Geist verwandelt

Beginn mit einem Gebet: Heiliger Geist, Gotteslob 7, 1-3

Der Heilige Geist erfährt im Leben vieler Gläubigen augenmerklich zu wenig Beachtung. Sichtbar wird das z. B. im Umgang mit dem Pfingstfest. In der Regel machen um Pfingsten herum sehr viele Leute Urlaub und verreisen in die ganze Welt. Das Fest des Heiligen Geistes gerät dabei eher in Vergessenheit. Im Vergleich zu Weihnachten kann Pfingsten, was die äußerliche Gestaltung und Dekoration betrifft, in keiner Weise mithalten. Aber vielleicht liegt die Schwierigkeit gerade darin, dass der Heilige Geist nicht so leicht zu greifen ist wie ein Baby im Stroh und nur schwer darzustellen ist. Die Heilig-Geist-Taube, die feurigen Flammen, das Brausen des Windes, es gibt biblisch fundierte Bilder.

Wer verleiht dem Menschen den Atem, das Leben und den Geist? (vgl. Ijob 33,4) Wir brauchen nur in die Heilige Schrift blicken, angefangen von der Erschaffung der Welt bis zum Pfingstfest. Sie ist geprägt durch das Wirken und die Leben spendende Kraft des Heiligen Geistes.

Ausdrücklich ins Spiel kommt der Heilige Geist zum ersten Mal bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel an die Jungfrau Maria. Sie soll die Mutter des Messias werden. Aber wie soll das geschehen? „Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ (Lk 1,35) Die Menschwerdung Gottes geschieht in der Kraft des Geistes. So beinhaltet die Erzählung von der Verkündigung der Geburt Jesu bereits einen Hinweis auf die Trinität. Ohne den Heiligen Geist geht es nicht. Und wie geht es weiter? Lesen wir im Beginn des Markusevangeliums.

Markus 1,1-8

1 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.

2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja - Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird.Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! -, 4 so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.

5 Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.

7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

 

Betrachtung

Wir Menschen brauchen eine Lebensordnung, die tragfähig ist, die das Gleichgewicht zwischen Menschen und Völkern erhält und damit Frieden und ein gelingendes Zusammenleben ermöglicht. Im Augenblick müssen wir wahrnehmen, wie schwierig es in verschiedenen Ländern oder Ländervereinigungen ist, die verschiedenen gegensätzlichen Kräfte im Gleichgewicht zu halten.

Was im Großen gelingen soll, muss zuerst im einzelnen Menschen möglich sein. Im Widerstreit der eigenen Gefühle und Begierden muss der Mensch ein Maß und eine Mitte halten können. Im Kloster haben wir eine Regel und feste Ordnung. Sie trägt dazu bei, dass das gemeinsame Leben gelingt. Wo der Mensch aus dem Gleichgewicht gerät, kommt er in seelische Nöte, in psychisches Ungleichgewicht. Viele Menschen in Stress der Arbeitswelt, in Sorgen und Nöten werden depressiv – mit entsprechenden Folgen.

Das Volk Israel hatte von Gott her eine Lebensordnung bekommen, die auf den Zehn Geboten basierte. Sie regelten das Zusammenleben der Menschen als eine Antwort auf die von Gott geschenkte Freiheit nach dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten.

Diese Freiheit und „Abhängigkeit“ von Gott war freilich immer eine Gabe und Aufgabe. Was die Menschen im Heiligen Land vor 2000 Jahren wirklich bewegt hat, wissen wir nicht genau. Sie waren jedenfalls als eine Besatzungszone in die Abhängigkeit der Weltmacht der Römer geraten. Das hatte das seelische Gleichgewicht der Juden etwas durcheinandergebracht. Sie hofften seit langer Zeit auf eine Rettergestalt. Ihnen war der Messias vorhergesagt, in dem viele wegen der politischen Umstände auch eine Gestalt mit politischem Einfluss vermuteten.

Da taucht Johannes auf. Er ist von Gott gerufen. Er ruft nicht auf zu einem politischen Aufstand, sondern er fordert dazu auf, dem Ruf Gottes zu folgen, umzukehren und sich somit richtig nach Gottes Geboten zu verhalten. Es geht also zuerst um eine Umkehr zu einem besseren ethisch-moralischen Verhalten. Eingeleitet wird dieser Schritt bei Johannes durch die Taufe mit Wasser, die auch eine Vergebung der Sünden bedeutet.

Aber was Johannes tut, ist nur ein vorbereitender Schritt. Den entscheidenden Schritt kann nur der erfüllen, der nach ihm kommt. Er wird mit dem Heiligen Geist taufen. Das ist Johannes dem Täufer bewusst.

Was wird der Heilige Geist bewirken, was ist seine Aufgabe? Er wird den Menschen tiefer berühren und ihn befähigen, tiefer zu blicken und mehr zu erkennen. Der Mensch wird erkennen, dass Gott in der Welt wohnt und in ihr und im Menschen wirkt. Der Geist macht bewusst, wer der Herr der Welt ist. Und je mehr Menschen von der Frohen Botschaft der Christen wirksam erfasst werden, umso mehr wird seine Anwesenheit in der Welt sichtbar und erkennbar, trotz allem, was die Menschen sonst noch treiben.

Die christliche Religion ist also nicht eine Ethik, sondern eine weitere Kraft ist entscheidend, die das menschliche Verhalten auf eine andere Ebene hebt – in Beziehung zum dreifaltigen Gott. Der Mensch gewordene Gottessohn kennt das menschliche Leben, und der Heilige Geist bewegt, verändert und verwandelt es. Wenn ich mich bewusst auf ihn einlasse, setze ich mich der Gnade, der wirksamen Nähe Gottes aus. Daraus ergibt sich viel Gutes und Schönes in unserem Leben. Da aber das Leben für die schönen Seiten immer ein Gegenstück bereithält, braucht der Geist Gottes immer auch unsere Mithilfe und verantwortliches Handeln, um ganz zur Wirkung zu kommen.

Bei allem, was wir tun, haben wir ein großes Ziel. Und diesem Ziel haben wir zu dienen. Und dieses Ziel ist nicht einmal die Kirche selbst, sondern die Gemeinschaft mit dem Herrn der Kirche. Johannes der Täufer ruft auf, ihm den Weg zu bereiten.

 

Ein Text von Paul Weismantel

ergänzt diese Betrachtung in ermutigender Weise. Mit einfachen, bewussten und konsequenten Schritten kann ich – mit der Kraft des Heiligen Geistes – zu einer persönlichen Veränderung, zu einer geistig-geistlichen Erneuerung kommen.

 

Ein neuer Mensch

Ein neuer Mensch kann ich werden,
wenn ich Altlasten achtsam entsorge
und entlasse, um mich davon zu lösen.

Ein freierer Mensch kann ich werden,
wenn ich mich versöhnen lasse, 
um anderen zu vergeben und zu verzeihen.

Ein liebender Mensch kann ich bleiben,
wenn ich die Kunst des Liebens im Alltag
beständig übe und mir dabei helfen lasse.

Ein glaubender Mensch kann ich bleiben,
wenn ich den Zweifel als Zwillingsbruder
meines Glaubens sehe und akzeptiere.
Ein froherer Mensch kann ich werden,
wenn ich mir etwas einfallen lasse,
um in andern Freude zu wecken.

Ein tapferer Mensch kann ich werden,
wenn ich mich den täglichen Aufgaben stelle,
um sie – mit Gottes Hilfe – zu bewältigen.

Ein betender Mensch kann ich bleiben,
wenn ich in allem, was mir tagtäglich
widerfährt, Gottes Spuren erahne und suche.

Ein dankbarer Mensch kann ich bleiben,
wenn ich mich daran erinnere, dass nichts
selbstverständlich, sondern alles Gnade ist.
Paul Weismantel

 

Fragen zum Text:

  • Wo spricht mich der Text spontan und besonders an?
  • Wo trifft der Text meine derzeitige Lebenssituation?
  • Welche Anregung ist für mich eine besondere Herausforderung?
  • Wie und wo erfahre ich die Gnade, die Nähe Gottes?

Abschluss mit einem Gebet: Heilig-Geist-Litanei, Gotteslob Nr. 565